Edgar Cayce


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Das Werk – Die Philosophie

Einige Worte vorab: Der überwiegende Teil der Readings wurde für Einzelpersonen gegeben. Ein kleiner Teil sind Serien, die für bestimmte Gruppen gedacht waren oder bestimmte Themen ansprachen. Da aber letztlich wohl alle Menschen (bewusst oder unbewusst) nach Erkenntnis und Erfüllung streben, lassen sich aus den meisten Readings allgemeingültige Aussagen herauslesen.
Oft sind die Readings sehr poetisch gefärbt. So heißt es z.B. in Reading 294-206 über die Anfänge der Menschheit: „… als die Morgensterne sangen und die Söhne Gottes zusammenkamen, um die Ankunft des Menschen im materiellen Bewusstsein zu verkünden.“
Dies alles sollte bedacht werden, wenn man versucht, die Aussagen wissenschaftlich, pragmatisch und logisch zu analysieren. Vielleicht erfordern die Readings einfach eine andere Herangehensweise, als viele von uns es gewohnt sind?

Zwei Drittel der über 14.000 erhaltenen Reading-Niederschriften handeln von gesundheitlichen Themen. Insgesamt decken die Readings zirka 10.000 Themen ab, darunter solche wie Universelle Gesetze, gelebte Spiritualität, ganzheitliches Heilen, Sinn des Lebens, Meditation, Traumdeutung, alte Zivilisationen, Astrologie, Reinkarnation und viele mehr. Und obwohl sich gerade mal 0,2 % der Readings (26 Readings +/- 1) in Absätzen mit Prophezeiungen beschäftigen, wird diesen die bei weitem größte Aufmerksamkeit geschenkt. Jedoch hat man erstaunlich wenig über den Geist nachgedacht, in dem sie gegeben wurden: nämlich, dass die Zukunft unbestimmt ist, weil nur die Menschheit – die, ähnlich wie Gott, erbaut und erschafft – letztendlich ihr eigenes Schicksal bestimmt. Dieser Aspekt aus dem Werk Edgar Cayces wird gerne übersehen, ist jedoch immens wichtig, weil er uns an unsere eigene Verantwortung erinnert.

Aufgrund der Vielfältigkeit der Themen ist es nicht leicht, die gesamte, den Readings innewohnende Philosophie zu erfassen. Kernpunkt ist jedoch, dass wir Menschen von Gott kommen und zu Gott zurückkehren. Insgesamt kann man sagen, dass das ganze Universum unwandelbaren Gesetzen unterworfen ist. In den Readings werden viele Gesetze genannt: göttliches Gesetz, spirituelle Gesetze, Naturgesetze, Gesetz der Schöpferischen Kräfte. All diese Gesetze werden zusammenfassend häufig „universelle Gesetze“ genannt. Alle Prinzipien, die wir Menschen in die Gesetze der Mathematik, Biologie, die Newton’schen Gesetze usw. unterteilen, wurden vom Schöpfer festgelegt und werden in den Readings ebenfalls zu den „universellen Gesetzen“ gezählt. Im Rahmen dieser universellen Gesetze kann sich der Mensch entwickeln, bewegen, Entscheidungen treffen, Veränderungen bewirken. Wenn wir versuchen, eines dieser Gesetze zu umgehen, bewirkt dies „nur einen Aufschub der Umstände, denen man sich schließlich doch stellen muss.“ (3744-2). An anderer Stelle erklärt Cayce: „’Du sollst den Herrn deinen Gott lieben mit deinem ganzen Herzen, deinem Verstand und deiner Seele, und deinen Nachbarn wie dich selbst.’ Denn dies ist das ganze Gesetz und der Rest ist nur eine Erklärung desselben.“ (3340-1)

Schreiten wir also zu einer „Erklärung“ einiger Aspekte und lassen wir wieder Cayce zu Wort kommen:

Wir Menschen sind oft auf der Suche nach Wahrheit. Was ist Wahrheit?
„Wahrheit ist immer das unveränderliche, unwandelbare Gesetz. Was ist Wahrheit? Gesetz! Was ist Gesetz? Liebe. Was ist Liebe? Gott. Was ist Gott? Gesetz und Liebe. Dies ist der Zyklus der Wahrheit selbst. Und wo immer du bist, in welchem Umfeld auch immer, sie ist stets gleich. Denn wie von Ihm [Gott] gesagt wurde, Er ist derselbe, gestern, heute und für immer – unveränderlich! .... ICH BIN DER ICH BIN! Dies ist wahr. Suche sie [die Wahrheit] tief in dir selbst. Kultiviere sie in deinem Geist und die Ergebnisse werden sich in deinem physischen Sein zeigen.“ (3574-2)

„Der Geist ist das Leben; der Verstand ist der Erbauer*; das Physische ist das Ergebnis.” (349-4)
Das heißt: Es gibt nur eine grundlegende Energie im Universum, nämlich die Kraft des Lebens, wie immer dieses sich auch äußern mag; jeder von uns ist in der Lage, dieser Lebenskraft mit seinem Verstand eine Schwingung bzw. ein Muster zu geben; alles, was wir durch dieses Muster als materielle Realität in der physischen Welt wahrnehmen, war zuvor geistig. Unsere Lebensumstände und selbst der Zustand unseres physischen Körpers sind nach unserer Einstellung und unseren Gefühlen geformt. Deshalb gilt auch für die Gesundheit/Heilung: „Alle Heilung, alle wiederbelebenden Kräfte eines Körpers, müssen aus dem Göttlichen im Inneren kommen.“ (4757-1)

„Wisse, dass in dir selbst alle Heilung ist, die für den Körper erreicht werden kann. Denn alle Heilung muss von Gott kommen. Denn wer heilt deine Krankheiten? Die Quelle der universellen Versorgung. Zu deinem Verhalten also: Wie gesund möchtest du sein? Wie gut willst du mitarbeiten, dich auf die göttlichen Einflüsse einstimmen, die in dir und durch dich arbeiten können, indem du die Zentren stimulierst, die in deiner Natur latent vorhanden sind? Denn all diese Kräfte müssen aus einer Quelle kommen, und die Anwendungen sollen nur die Atome des Körpers stimulieren. Denn jede Zelle ist ein Universum in sich. Was würdest du mit deinen Fähigkeiten tun? Wie du anderen gibst ... und dadurch die Universellen Kräfte besser verstehst, so wirst du ein Vielfaches erhalten, denn Gott ist Liebe.” (4021-1)

„Dies ist die erste Lektion, die du lernen solltest: Es gibt so viel Gutes im Schlimmsten von uns, und so viel Schlechtes im Besten von uns, so dass es niemandem von uns zukommt, schlecht von den anderen zu denken. Dies ist ein universelles Gesetz, und erst wenn man beginnt, dieses anzuwenden, wird man in der spirituellen oder seelischen Entwicklung weiterkommen. Denn was wir sind, spricht so laut für sich, dass andere nur selten hören, was wir zu sagen haben.“ (3063-1)

„Man kann nicht empfangen ohne zu geben; denn wer Leben haben will, muss Leben geben, wer Freude haben will, muss Freude in das Leben anderer bringen, wer Friede und Harmonie haben will, muss im Selbst und in der Beziehung zu anderen Frieden schaffen. Dies ist das Gesetz, denn Gleiches zeugt Gleiches; und du kannst keine Oliven von Disteln ernten und auch keine Äpfel von Dornensträuchern, noch kannst du Liebe in Hass finden.“ (349-17)

Zu der Bitte nach einer Leitlinie für ein konstruktives, glückliches Leben heißt es in Reading 270-48:
„Schaffe oder entwirf für dich selbst ein Ideal; nicht einfach im geistigen Sinne, sondern erkenne die Ideale – spirituell, geistig, materiell. Schreibe sie auf. Ändere sie von Zeit zu Zeit, nachdem du sie ernsthaft geprüft und darüber meditiert hast. Nimm dir Zeit für physische, geistige und materielle Erholung. Gib all diesem eine spirituelle Ausrichtung.
Den Aktivitäten eine spirituelle Ausrichtung zu geben bedeutet keinesfalls, dass man sein Äußeres vernachlässigen, ichbezogen oder puritanisch werden sollte. Doch jede Frage sollte im Licht deines Ideals beantwortet werden.
Dem christlichen Prinzip entspricht ein frohes, reiches, glückliches, hoffnungsvolles Leben in allen Phasen seiner Erfahrung und seines Ausdrucks. Und nur mit dieser Gewissheit von Frieden und Hoffnung und Lebensfülle lassen sich Kummer, Enttäuschung und all dies ertragen.
Dies also sollte die Haltung, die Gesinnung, die Vorgehensweise ... sein.“

Zur Frage nach dem Tod antwortete Cayce in zwei Readings so:
„Es gibt keinen Tod, nur den Übergang von der physischen auf die spirituelle Ebene. Und so wie die Geburt in die physische Welt als Beginn eines neuen Lebens bezeichnet wird, so ist der Tod in der physischen Welt wie eine Geburt in der spirituellen Welt.“ (136-33)
„Leben ist ewig. Es ist in Ihm, und wenn man durch Gottes andere Tür [den physischen Tod] geht, ändert sich nur die Sichtweise.“ (1246-2)

All diese Aussagen leiten nicht nur zum Studium, sondern auch, was noch wichtiger ist, zur praktischen Anwendung an. Auch Folgendes wurde immer betont: „Wissen ist gut, doch Wissen, das ohne Taten oder ohne Anwendung bleibt, ist schlimmer als wertlos!“ (1510-1) Nur angewandtes Wissen trägt Früchte, das gilt nicht nur für die Welt der Wissenschaft, sondern auch für das spirituelle Wachstum der Menschen. Wichtig ist daher, unser Ideal zu finden, nach dem wir unser Leben ausrichten möchten. In Reading 1402-1 heißt es: „Jener ohne Ideal ist in der Tat zu bedauern; jener mit einem Ideal und ohne Mut, es zu leben, ist noch mehr zu bedauern. Wisse dies.“

Die hier erwähnten Aspekte können nur unvollständig sein. Im Impressum sind einige Werke aufgeführt, in denen das oben Genannte ausführlich behandelt und vertieft wird. Besonders hilfreich waren mir: „Die Lehre des Edgar Cayce“ und „Das Edgar Cayce Lesebuch“.

 

* Der englische Ausspruch lautet „mind is the builder”. Die Übersetzung „Verstand“ basiert auf folgender Definition von „mind“: Bewusstsein, das vom Willen in Bewegung gesetzt wird.

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