Edgar Cayce


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Die Gabe

„Ich tue nichts, was Sie nicht auch tun könnten, wenn Sie bereit sind, den Preis dafür zu bezahlen, nämlich das Loslassen jeglicher Interessen, die nur auf das eigene Wohl abzielen. Seien Sie ehrlich: Wären Sie bereit, nur ein einziges Mal im Jahr Ihre Persönlichkeit abzulegen und sich völlig von ihr zu lösen?“
Edgar Cayce in einem Vortrag (im Wachzustand) vom 6. Februar 1933

Und was genau war es nun, was andere nicht auch tun könnten?
Edgar Cayce hatte die Gabe, sich selbst in einen Trance-Zustand zu versetzen. In diesem Zustand konnte er, laut eigener Aussage, mehrere Informationsquellen „anzapfen“. Obwohl er zugab, dass man kaum etwas über diese Quellen weiß, vermutete er, dass „eine solche Quelle offenbar jener Bericht ist, den eine Person oder Wesenheit während all ihrer Erfahrungen in dem, was wir Zeit nennen, erstellt. Alles, was eine Seele je erfahren hat, findet sich im Unterbewusstsein einer jeden Person und ist wohl auch in der so genannten Akasha-Chronik* aufgezeichnet“.

*Akasha-Chronik

 

Immer jedoch stritt er ab, ein „Medium im echten Sinne des Wortes“ zu sein. Gelegentlich kam es wohl vor, dass ein Verstorbener oder ein anderes Geisteswesen durch ihn sprach, doch er schaffte es meist, dies zu unterbinden. „Ich [bin] der festen Überzeugung, dass die Quelle aus dem Universellen kommen wird, wenn sie nicht durch die Wünsche der Person, die um das Reading gebeten hat, in eine andere Richtung gelenkt wird.“

Interessanterweise sprach er in Trance immer in der dritten Person („Ja, wir haben den Körper, den suchenden Geist...“). Auch ist auffällig, dass er häufig aus der Bibel zitierte und sein Sprachstil oft dem der Bibel entsprach, und zwar der im angelsächsischen Raum stark verbreiteten King James Bible.
Er selber war während des ganzen Vorgangs nicht bei Bewusstsein und war nach dem Erwachen auf die Berichte, Erzählungen und Protokolle der Anwesenden angewiesen. Dies verunsicherte ihn zutiefst, da er lange fürchten musste, ausgenutzt zu werden (was, vor allem im Anfang, auch häufig vorkam).

Zur Art des Trance-Zustandes hatten Ärzte Vermutungen angestellt, welche die Readings zu bestätigen schienen. Demzufolge war es keine hypnotische Trance, sondern es gab im Organismus eine grundlegende Veränderung. Man konnte diesen Zustand mit einem Koma vergleichen. In einem Koma verlangsamen sich viele Körperfunktionen stark und setzen manchmal sogar aus. Wenn sich Edgar also in Trance begab, kam das jedes Mal einem kleinen Sterben gleich. Daher durfte er nur eine bestimmte Zahl Readings pro Tag geben, ohne körperlichen Schaden davonzutragen. In Reading 294-55 heißt es:
„Frage: Wie oft darf der Körper Trance-Readings geben, ohne dass es ihm schadet?
Antwort: Zwei- bis fünfmal pro Tag.“

War Edgar übermüdet oder erschöpft, bedeuteten die Readings eine Gefahr für seine körperliche und geistige Gesundheit. In solchen Fällen kam es vor, dass er einige Tage aussetzen musste. Gab er dennoch Readings, konnte es passieren, dass es zu irreführenden oder ungenauen Informationen kam. Es war auch schon vorgekommen, dass er lange nicht aus dem Trance-Zustand erwacht und seine Körperfunktionen immer schwächer geworden waren. In einem Fall hatte sich die Familie neben die Couch gekniet und gebetet, bis er schließlich doch aufgewacht war.

Man stellte fest, dass sich Gebete stark auf die Qualität der Readings auswirkten. Die durch das Gebet erzeugten positiven Schwingungen schienen direkt Edgars Geist zu erreichen. Auch der Leiter (in späteren Jahren meist seine Frau Gertrude) war dann entspannter und konnte sich besser auf den schlafenden Edgar einstimmen.

Leiter? Ja, bei den Readings war stets ein Leiter anwesend, der Edgar durch seinen Trance-Zustand führte, ihm nötige Suggestionen gab, Fragen stellte und ihn zum Schluss mit angemessenen Suggestionen sicher wieder aus der Trance holte. Vorzugsweise sollte dies eine Person sein, der Edgar voll und ganz vertrauen konnte. Ohne einen solchen Leiter „lief nichts“.

Dank vieler stenographischer Aufzeichnungen konnten zirka 14.300 Readings für die Nachwelt erhalten bleiben. Vor 1921 waren jedoch häufig keine Aufzeichnungen gemacht worden. Zudem waren viele Niederschriften aus der Zeit vor 1921 zerstört worden oder gelten als verschollen. Daher weiß man nicht, wie viele Readings Edgar tatsächlich im Laufe seines Lebens gegeben hat. Doch ist die Menge der vorhandenen Informationen so groß, dass die Erforschung und Auswertung seiner Gabe und seiner Aussagen noch viele Jahre in Anspruch nehmen werden.

 

* Der Begriff „Akasha-Chronik“ leitet sich vom indischen Sanskrit ab (akasha = Äther, fünftes Element aus der indischen Elementenlehre) und bezieht sich auf eine Aufzeichnung der feinstofflichen Energien aller geschichtlichen Ereignisse, einschließlich aller Gedanken und Gefühle. In Reading 1650-1 wird Edgar gefragt: „Gibt es wirklich ein Archiv, in dem alles, was wir sagen, tun oder denken, aufgezeichnet wird?“ Die Antwort lautete: „Die Gedanken, Taten und Werke eines jeden Menschen stehen in Zeit und Raum geschrieben. So ist dieses Archiv etwas, das man häufig als ‚Gottes Buch der Erinnerungen“ bezeichnet hat...“

Zum Buch:
Cayce-Buch