Edgar Cayce


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Die Familie – Eine Auswahl

Der Cayce-Clan im westlichen Kentucky, wo Edgar geboren wurde, war beachtlich groß. Noch Edgars Großvater konnte die elf Kilometer bis in die Stadt Hopkinsville zurücklegen, ohne den Besitz der Familie zu verlassen. Man vermutet, dass die Familie ursprünglich aus Frankreich kam und sich zunächst in Virginia niederließ. Aufzeichnungen zufolge wanderte sie jedoch aus Schottland ein. Die Cayces waren mit fast allen Familien ihrer Gegend verwandt, doch nur wenige von ihnen hatten einen direkten Einfluss auf Edgars Entwicklung.

Großvater   Großmutter   Vater   Mutter
Der Großvater   Die Großmutter   Der Vater   Die Mutter
             
Ehefrau   älterer Sohn   jüngerer Sohn
Die Ehefrau Der ältere Sohn Der jüngere Sohn

 

Der Großvater
Thomas Jefferson Cayce war ein sehr erfolgreicher Farmer im westlichen Kentucky. Er baute Mais, Weizen und den so genannten schwarzen Tabak an, der in dieser kalksteinreichen Erde gut gedieh und für den die Gegend auch heute noch bekannt ist. Als sehr geselliger Mensch sorgte er jedes Jahr dafür, dass die Pflanz- und Erntezeit, zu der die ganze Familie zusammenkam, um zu helfen, ein fröhliches Ereignis wurde. Dann wurde nicht nur hart gearbeitet, sondern auch viel gegessen, viel getrunken, viel musiziert und viel gelacht. Tom Cayce, ein tief religiöser Mann, war auch für seine „übernatürlichen“ Fähigkeiten bekannt. Berichten zufolge war er ein erfolgreicher Wünschelrutengänger, konnte Besen „tanzen lassen“ und Tische bewegen. Diese Fähigkeit half ihm aber auch, Tiere zu bändigen und Pflanzen wachsen zu lassen. Er war überzeugt, dass Gott ihm seine Fähigkeit nehmen würde, sollte er versuchen, sie zu missbrauchen.
Der kleine Edgar fühlte sich bei seinem Großvater über die Maßen wohl und geborgen. Sie waren, wie ein Familienmitglied meinte, „aus demselben Holz geschnitzt“. Tom brachte seinem Enkel das Angeln und Reiten bei und nahm ihn zur Farmarbeit mit. Auf einem dieser Ritte stolperte das Pferd, Tom stürzte und das Tier trampelte ihn zu Tode. Der vierjährige Edgar, der das alles mit angesehen hatte, wurde kurze Zeit später im Tabakschuppen gefunden, wo er mit seinem verstorbenen Großvater sprach.

Die Großmutter
Sarah Thomas heiratete Tom Cayce 1851. Als Mutter von acht Kindern kümmerte sie sich, wie damals üblich, um Erziehung, Haus und Hof. Auch sie nahm die Fähigkeiten ihres Mannes als gottgegeben an und war die einzige, die nicht entsetzt war, wenn Edgar erzählte, er habe den toten Großvater im Tabakschuppen gesehen und mit ihm gesprochen. Außerdem glaubte sie an Edgars eigene Gaben. Als der vierzehnjährige Edgar sich verletzte und im Schlaf Anweisung für seine Behandlung gab, war sie es, die entgegen den elterlichen Bedenken die Behandlung anwandte. Als Edgar sechzehn Jahre alt war, lag sie im Sterben, gab ihm aber noch einige Ratschläge. „Habe keine Angst vor ihr [der Gabe] und missbrauche sie nicht,“ sagte sie. „Wenn du Stimmen hörst, vergleiche das, was sie sagen, mit dem, was Jesus in der Bibel sagt. ... Habe keine Angst und sei nicht stolz.“ Edgar musste ihr versprechen, die Menschen, denen er in seinem Leben begegnen würde, nicht als Gegenspieler zu sehen, sondern als Menschen, die so wie er ihren rechtmäßigen Platz in Gottes Reich suchten. Als sie starb, hielt Edgar ihre Hand. „Ich sehe deinen Großvater kommen“ waren ihre letzten Worte.

Der Vater
Leslie Cayce, geboren 1854, hatte, anders als sein Vater, kein Interesse an der Farmarbeit. Mehrere Versuche, das ererbte Land lukrativ zu bewirtschaften, schlugen fehl. Seine Welt waren öffentliche Versammlungen, auf denen Politik diskutiert wurde, und Kartenspiele mit Freunden. Sein Leben lang hing er Plänen nach, wie er schnell reich werden könnte. Er versuchte es auf verschiedenen Gebieten, war jedoch wenig erfolgreich. Leslie sah gut aus und verwendete viel Zeit auf seine Kleidung. Diskussionen waren seine Leidenschaft, doch leidenschaftlich war er auch in seinem Jähzorn. Wie sein Vater trank auch er gerne, kümmerte sich jedoch nur wenig um seine Familie, obwohl er darauf bestand, die Regeln im Haus zu bestimmen. Seine Brüder bezeichneten ihn als selbstsüchtig und ichbezogen, er war aber ein Kämpfer und gab nicht so schnell auf. Seine Lebensfreude war enorm. Edgar sagte einmal von seinem Vater: „Ich wünschte, ich könnte so optimistisch sein, wie mein Dad es war. Er war auf vielerlei Weise ein ungewöhnlicher Mann, und seine Ausdrücke ‚so gut wie neu’ und ‚tiptop’ werden noch immer von denen benutzt, die ihn kannten.“ Edgars Beziehung zu seinem Vater war eher distanziert, da Leslie für das phantasiebegabte Kind kein Verständnis hatte. Als sich bei Edgar jedoch seine Gabe zeigte, versuchte er, daraus Vorteile zu ziehen. Immer wieder forderte er Edgar auf, Readings zu geben. Mal war es für Investoren auf dem Getreidemarkt, mal sollte er Verbrechen aufklären, dann wieder Börsenkurse vorhersehen. Dem Sohn behagte das alles gar nicht, er wollte seinen Vater jedoch nicht enttäuschen. Emotional konnte sich Leslie nie von seinem Sohn lösen, obwohl das Verhältnis zwischen Vater und Sohn zeitlebens gespannt blieb. Der starke Familiensinn ließ es zu, dass Leslie nach dem Tod seiner Frau zu seinem Sohn nach Virginia Beach zog, wo er auch starb.

Die Mutter
Carrie Major Cayce war eben siebzehn, als sie Leslie 1874 heiratete. Es heißt, er habe ihr Herz im Sturm erobert. Sie kam aus einer guten Familie, war gebildet, hatte ein eigenes Dienstmädchen und wurde sehr umsorgt. Nach ihrer Heirat musste sie selber das Haus führen und auch auf der Farm ihres Mannes mithelfen. Leslie war der „Herr im Haus“, seine Frau durfte keine größeren Entscheidungen ohne ihn treffen. Das Leben an seiner Seite war, wie sie schon bald merken sollte, nicht leicht, doch sie war praktisch veranlagt, stark und weitblickend dazu. Spätere Fotos zeigen sie als einfach aussehende Frau, doch wer sie als junge Frau kannte, beschrieb sie als attraktiv, fast strahlend, mit einer Figur wie eine antike Statue. Sie war großzügig und freundlich und liebte ihre Kinder über alles. Als ältestes Kind und einziger Sohn von fünf Geschwistern genoss Edgar die besondere Zuneigung seiner Mutter. Er beschrieb sie als „vornehm und liebenswürdig einerseits, liebevoll, nachsichtig, mitleidsvoll und gottesfürchtig andererseits.“ Sie ging auf seine Phantasien ein und hörte ihm immer verständnisvoll zu. Durch sie wurde Edgar zur Bibel hingeführt, sie war seine erste Vertraute. Wegen der vielen Eskapaden ihres Mannes fehlte es der Familie oft an Geld. So bemühte sie sich, etwas hinzuzuverdienen und eröffnete später in Hopkinsville eine Pension. Oft erinnerte sie ihren Sohn an die Weisheit: „Die Wege des Herrn sind unergründlich. Es steht uns nicht zu, seine Absichten in Frage zu stellen.“ Wo ihr Sohn auch war, sie stand immer in Kontakt mit ihm. Im Alter wurde sie von ihrer Tochter Annie gepflegt und starb mit neunundsechzig Jahren nach einem arbeitsreichen Leben.

Die Ehefrau
Gertrude Evans war, im Gegensatz zu Edgar, äußerst gebildet. Sie hatte eine gute Schul- und College-Bildung und stammte aus einer weltoffenen Familie. Als sie Edgar 1895 zum ersten Mal traf, war sie fünfzehn. Später schrieb Edgar: „Sie erschien mir wie das schönste Wesen, das ich je gesehen hatte – mit schwarzem Haar und schwarzen Augen, Augen, die so feurig und voller Entschlossenheit waren, und sie hatte den küssenswertesten Mund, den man sich nur vorstellen konnte.“ Freunde beschrieben sie als temperamentvoll, leidenschaftlich, weitsichtig und willensstark, aber auch fröhlich und humorvoll, mit einem scharfen, analytischen Verstand. Dennoch hatte sie im Grunde ein ruhiges Wesen und wirkte auf den sprunghaften Edgar ausgleichend. Mit der Zeit wurde sie zu seinem Alter Ego und hatte großen Einfluss auf ihn. Gertrude war für tätige Nächstenliebe ebenso aufgeschlossen wie Edgar und erwies sich auch in Gelddingen als umsichtig und besonnen. Sie war es, die die Finanzen verwaltete und musste dabei ständig gegen Edgars leichtsinnige Art, Geld auszugeben, angehen. In Edgars Zeit als Fotograf übernahm sie das Kolorieren von Fotos und erwies sich hierin als äußerst begabt. Es dauerte lange, bis sie Edgars Fähigkeiten als gottgegeben akzeptierte, doch dann bestand sie darauf, die Leitung der Sitzungen zu übernehmen, um ihm während seiner Arbeit so nahe wie möglich zu sein. Gertrudes Söhne berichteten übereinstimmend von ihrer innigen Beziehung zu ihrer Mutter und priesen sie als ausgezeichnete Köchin und Hausfrau. Oft bereitete es ihr großen Kummer, dass Edgar auch für den Charme anderer Frauen empfänglich war. Ihre eiserne Selbstdisziplin half ihr jedoch, damit umzugehen, und sie hatte in ihrer Ehe nie Anlass, ihm zu misstrauen. Was sie darüber dachte, dass Edgar für die Familie wichtige Entscheidungen oft über ihren Kopf hinweg traf, ist nicht bekannt, doch sie schien sich, wenn auch oft unter Protest, dareinzufinden. Wie groß ihre Liebe zu Edgar war, beweist die Episode, als Edgar seine Stimme verloren und ihr nahegelegt hatte, die Verlobung zu lösen. Ein enger Freund berichtete: „Sie war seine Stärke und sein Wille, weiterzumachen. Sie gab ihn nicht auf, als er dies vorgezogen hätte und als sie jeden Grund hatte, es zu tun.“ Am Ostermorgen 1945 starb Gertrude mit fünfundsechzig Jahren an Krebs, nur drei Monate nach Edgar.

Der ältere Sohn
Hugh Lynn Cayce, geboren 1907, war eine wichtige Bezugsperson für Edgar, obwohl zwischen beiden eine regelrechte Hassliebe bestand. Er war ebenso willensstark und unabhängig wie sein Vater, jedoch wesentlich beherrschter. Auch Hugh Lynn war übersinnlich veranlagt, was sich bei ihm in einer Begabung für Telepathie äußerte. Seinen analytischen Verstand hatte er von seiner Mutter geerbt. Als Kind war er sehr scheu und anhänglich. Wegen der Gabe seines Vaters wurde er oft gehänselt, doch er lernte bald, sich mit Fäusten zu wehren. Trotz der vielen Tragödien in der Familie – Tod, Krankheit, Geldsorgen, persönliche Ängste – bezeichnete er seine Kindheit als glücklich, was nicht zuletzt auf die tiefe Zuneigung seiner Mutter und die Zuwendung seines Vaters zurückzuführen war. Hugh Lynn: „Wir unternahmen alles als Familie“. Seiner Mutter war er zeitlebens besonders zugetan. Das sollte sich in seiner Teenagerzeit als problematisch erweisen, da er damals seinen Vater als Rivalen in der Gunst seiner Mutter betrachtete.
In späteren Jahren wurde er zu einem unverzichtbaren Helfer seines Vaters, der ihm mehr und mehr Respekt entgegenbrachte. Da beide starke Persönlichkeiten waren, war Hugh Lynn jedoch immer darauf bedacht, etwas Abstand zu seinem Vater zu wahren, damit dieser ihn nicht dominieren konnte. 1938 zog Hugh Lynn nach New York, wo er an einer Radiosendung über übersinnliche Fähigkeiten mitarbeitete. 1941 heiratete er nach langer Wartezeit Sally Taylor und wurde im Oktober 1942 Vater eines Sohnes. Der zweite Sohn wurde 1949 geboren. 1943 wurde Hugh Lynn zu den Waffen gerufen. Das Ende des Zweiten Weltkrieges erlebte er als Soldat in Frankreich, sprach jedoch kaum jemals darüber.
Nach Edgars Tod widmete er sich mit ganzer Hingabe der Aufgabe, das Werk seines Vaters einer möglichst großen Zahl an Menschen nahe zu bringen. Dank ihm ist die Association for Research and Enlightenment heute eine international bekannte Organisation. Robert Smith schreibt in seiner Hugh-Lynn-Biographie: „Ohne Hugh Lynn hätte man Edgar Cayce bald vergessen und sein Erbe wäre verloren gewesen, außer für jene, denen er persönlich geholfen hatte. Hugh Lynn nahm die Arbeit in Angriff und widmete ihr sein Leben. So erwies er seinem Vater alle Ehre.“ Hugh Lynn starb 1982 an Krebs.

Der jüngere Sohn
Edgar Evans Cayce war ein Nachzügler, das „Nesthäkchen” der Familie. Obwohl er ein gesundes, normales Baby war, verfiel sein Vater nach seiner Geburt aus einem unerfindlichen Grund in Depressionen. In den ersten Jahren seines Lebens sah er nicht viel von seinem Vater, da dieser viel im Land herumreiste und versuchte, Geld für ein Krankenhaus aufzutreiben. Seine wichtigsten Bezugspersonen waren seine Mutter und der um elf Jahre ältere Bruder. Schon als Kind zeigte er sich wissbegierig und naturwissenschaftlich interessiert. Alles Mechanische faszinierte ihn. Außerdem war er sehr praktisch veranlagt, und in finanziellen und geschäftlichen Dingen erwies er sich später als ungewöhnlich begabt. Er liebte es, allein an der Küste entlang zu laufen und genoss die einsame Schönheit des Strandes. Mit acht Jahren hatte er einen schweren Unfall und erlitt an Hüfte und Beinen Verbrennungen ersten Grades. Dadurch zogen sich seine Muskeln zusammen und er konnte nicht mehr laufen. Die Eltern behandelten ihn nach den Readings und die Muskulatur heilte vollständig. Er wurde das sportlichste Mitglied der Familie, spielte Football und später mit großer Begeisterung Golf. Zu einem sachlichen und nüchternen Mann herangewachsen, studierte er Ingenieurwesen. Später sollte er sich besonders für die Readings über das untergegangene, wissenschaftlich hoch stehende Atlantis interessieren und schließlich ein eigenes Buch darüber schreiben. 1942 heiratete er seine Jugendfreundin Kathryn Bane. Im Juni 1943, als er in Trinidad stationiert war, wurde er Vater eines Sohnes, später kam noch eine Tochter hinzu. Auch er war (und ist) aktiv am Werk seines Vaters beteiligt.
Edgar Evans ist direkt und offen, aber kein Mann vieler Worte. Er packt an, wo er gebraucht wird, macht aber nicht viel Wesen darum. Noch heute lebt er in Virginia Beach. Am 9. Februar 2008 feierte er seinen neunzigsten Geburtstag.

Familie Cayce

Zitate übersetzt aus „Edgar Cayce – An American Prophet“ von Sidney Kirkpatrick

Zum Buch:
Cayce-Buch