Edgar Cayce


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Das Umfeld

Kentucky 1877. Ein Bundesstaat im Mittleren Westen der USA, mitten im so genannten „Bibelgürtel“ gelegen. Der größte Teil seiner Bewohner ist von einer tiefen evangelikalen Frömmigkeit geprägt. Eine religiöse Euphorie hat das Land im Bibelgürtel erfasst. Gleichzeitig erfreuen sich Praktiken wie spiritistische Sitzungen, Hypnose und „Magnetisieren“ steigender Beliebtheit.

In diese spannungsreiche Atmosphäre wird Edgar Cayce am 18. März 1877 um 15:03 Uhr Ortszeit im ländlichen Beverly bei Hopkinsville in Kentucky als ältestes Kind seiner Eltern geboren. Die Familie gehört der so genannten Christian Church an, die sich von der presbyterianischen Kirche abgespalten hat. Anders als diese praktiziert die Christian Church die „offene Kommunion“ (alle Christen sind zum Tisch des Herrn geladen) und lehrt, dass Christus für alle Menschen starb, die ihn aus freien Stücken als ihren Erlöser anerkennen. Die Bibel gilt als allein maßgeblich.

Der Bezirk Christian County, in dem Beverly liegt, ist bekannt für den Anbau von schwarzem Tabak. Auf dem Bauernhof der Großeltern und später bei Verwandten hilft Edgar beim Pflanzen, Ernten und Trocknen des Tabaks, arbeitet im Garten, erledigt Tischlerarbeiten, reitet viel, jagt und angelt. Die enge Verbundenheit mit der Natur und der mit dem Wechsel der Jahreszeiten anfallenden Arbeit, aber auch die tiefe Religiosität der Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung beeinflussen ihn sehr. Der gerade im Süden der USA praktizierten Rassentrennung steht er eher ablehnend gegenüber, da sie seiner Ansicht nach nicht mit der Bibel vereinbar ist. Doch von dem, was außerhalb seiner kleinen Welt vor sich geht, bekommt er nur wenig mit.

Die Jahrzehnte rund um die Wende zum 20. Jahrhundert sind weltweit von einer brodelnden Aufbruchstimmung geprägt. Die Industrialisierung schreitet verstärkt voran, mehr und mehr Bahntrassen durchschneiden die Länder, die ersten Autos werden gebaut, Fabrikschornsteine markieren die Städte, das Handwerk verliert seinen goldenen Boden. Immer wieder erschüttern Wirtschaftskrisen die Menschen. Charles Darwins Evolutionstheorie stellt die kirchliche Schöpfungslehre in Frage und facht stürmische Diskussionen an. Sigmund Freud stellt seine Psychoanalyse vor. Der aufkeimende Kommunismus und Sozialismus werden von konservativen Kräften heftig bekämpft, ebenso wie die Frauenbewegung, die u.a. das Wahlrecht für Frauen fordert. Die Welt befindet sich im Wandel, die Verunsicherung ist groß. Viele Menschen suchen Kraft und Trost in der Religion, andere wenden sich alternativen Richtungen zu, die zu dieser Zeit groß im Kommen sind.

Auch in der Medizin beschreitet man neue Wege. Die ganzheitlichen Ansätze der um diese Zeit begründeten Osteopathie und der um 1800 entstandenen Homöopathie finden immer mehr Befürworter. Um die Wende zum 20. Jahrhundert gibt es allein in den Vereinigten Staaten zweiundzwanzig Schulen für Homöopathie und die „American School of Osteopathy“ erfreut sich großer Beliebtheit. Auch ein College für Heilpraktiker ist gegründet worden.

Einen kleinen Einblick in all diese Vorgänge erhält Edgar erst, als er beginnt, in Hopkinsville zu arbeiten, und die weltoffene und gebildete Familie seiner späteren Frau Gertrude Evans kennen lernt. Hier erfährt er wohl auch etwas über die damals hoch aktuellen Séancen der Fox-Schwestern in Rochester, New York, und das Medium „Madame“ Blavatsky. Er lauscht Berichten über „Seher“, die in Hypnose Diagnosen stellen und Visionen haben, wie z.B. Andrew Jackson Davis. Auch hört er wahrscheinlich von der Neugeist-Bewegung und der von Mary Baker Eddy begründeten Christian Science. All dies stößt bei ihm zunächst nur auf mildes Interesse. Für die Bildung seiner Weltanschauung reicht ihm die geliebte Bibel völlig aus.

Evangelikal fromme Kreise, zu denen ursprünglich auch Edgar gehört, betrachten all diese neuen Strömungen mit großem Misstrauen. Als Edgar sich mit Beginn des 20. Jahrhunderts immer mehr auf seine außergewöhnliche Gabe einlässt, wird auch er von manch einem scheel angesehen. Obwohl er als selbständiger Fotograf in verschiedenen Städten sehr erfolgreich ist, wird er von vielen Menschen als Freak betrachtet, seine Fähigkeiten als etwas Teuflisches, Unheimliches gebrandmarkt. Etwas aufgeschlossenere Kreise, besonders in den größeren Städten, wo neue Weltanschauungen leichter Anklang finden, stehen ihm jedoch freundlich gegenüber, nehmen seine Hilfe gerne in Anspruch und machen ihm Mut.

Als seine Familie in den zwanziger Jahren mit den Themen außersinnliche Wahrnehmung, Traumdeutung, Reinkarnation usw. in Berührung kommt, ist sie zunächst tief betroffen und hat Schwierigkeiten, sich damit auseinander zu setzen. Für ein besseres Verständnis beginnt die Familie, Bücher zu diesen Themen zu lesen. So erfährt sie wahrscheinlich etwas über die Lehren von Rudolf Steiner, Sigmund Freud (Traumdeutung), über die Theosophie, die Rosenkreuzer und verschiedene fernöstliche Lehren. Liest sie vielleicht auch von den Seherkindern von Fatima? Dass es ihr schließlich gelingt, die Botschaft in den Readings mit der Botschaft der Bibel in Einklang zu bringen, trägt Edgar viele Sympathien ein und die Zahl der Anhänger wächst weiter.

Der Umbruch der Jahrhundertwende hält auch in den zwanziger und dreißiger Jahren an. Der bittere Beigeschmack des nach dem 1. Weltkrieg geschlossenen Friedens ist nicht vergessen, die Menschen drängen mit Macht aus der alten Zeit in die neue, sie wollen leben, sich amüsieren, die Wirtschaft floriert. Wissenschaft und Technik haben einen Siegeszug angetreten, immer neue Erfindungen sorgen für Begeisterung, die Evolutionslehre wird gefestigt, Traditionen werden mehr und mehr in Frage gestellt. Die parapsychologische Forschung beginnt, sich mit dem „Leben nach dem Tod“ zu beschäftigen.

Die Weltwirtschaftskrise 1929 stürzt viele Menschen in verzweifelte Armut. Es braucht Jahre, bis die Welt sich von ihr erholt. Der Wunsch nach spiritueller Führung wächst, besonders während des 2. Weltkrieges. Der Flut der Anfragen um Readings sind Edgar und seine Vertrauten bald nicht mehr gewachsen. Als Edgar Anfang 1945 stirbt, ahnt kaum jemand, dass mit dem Abwurf der Atombombe auf Hiroshima und Nagasaki im gleichen Jahr ein Zeitalter beginnt, in dem der Mensch mehr denn je spiritueller Hilfe bedarf.

Eine unvollständige, willkürliche Auswahl von Zeitgenossen Edgar Cayces, die wie er der Welt Impulse zur Erneuerung gegeben haben:

Andrew Jackson Davis, der Seher von Poughkeepsie
Angelo Guiseppe Roncalli, Papst Johannes XXIII
Edward Bach, Begründer der Bach-Blüten-Therapie
Hans Henny Jahnn, ein vielseitiger Dichter und Harmoniker
Hans Kayser, der Philosoph, der sein Leben der Harmonik widmete
Mary Baker Eddy, Begründerin der Christian Science
Mikao Usui, Begründer der Reiki-Methode
Mohandas Karamchand (Mahatma) Gandhi, der sich der Gewaltlosigkeit verschrieben hatte
Nikola Tesla, der Erfinder mit einer unglaublichen Vision
Pater Josef Kentenich, Begründer der Schönstätter Erneuerungsbewegung
Rudolf Steiner, Begründer der Anthroposophie
Sigmund Freud, Begründer der Psychoanalyse
Walter Russell, der "die Geheimnisse des Universums anzapfte"
Wallace D. Wattles, der die Grundregeln der Gedankenkraft studierte

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